Der Hausbau-Fahrplan, Modul C – die Umsetzung

Hausbauphase 4

Folge 4

Nachdem, wie in Folge 3 unseres Hausbau-Fahrplans beschrieben, aus den genehmigten Entwurfszeichnungen detaillierte Werkplanungen geworden sind, kann unser Architekt Sebastian Kritzelhuber sich nun an die Umsetzung des Bautraumes „Villa Kramer“ von Lena und Jonas machen, die Handwerker briefen und die Vergabe von Aufträgen organisieren.

Leistungsphase 6 – die Vorbereitung der Vergabe

Zunächst geht es darum, was zu liefern und zu leisten ist, und einen Terminplan für die Vergabe zu erstellen. Lena, Jonas und ihr Architekt denken zunächst an die Steine. Die Bauleute haben meinen Beitrag „Das Steinemantra des 11anten” gelesen und wollen sich daher nicht auf einen bestimmten Stein kaprizieren. Aber sie haben Vorstellungen vom Wärme- und Schallschutz der Wände, also werden die entsprechenden Kennwerte in das Dokument „Baubeschreibung und Leistungsverzeichnis” aufgenommen. Das ist gewissermaßen „die Bibel” aller am Bau beteiligten Unternehmen.

Wenn nun die ausführenden Unternehmen der einzelnen Gewerke ihre Angebote abgeben, dann sollten sie nicht mit den billigsten Ausführungen kalkulieren, um den Auftrag zu ergattern. Umgekehrt sollten sie es aber auch nicht mit noblen Materialien übertreiben. Und mahagonifarbene Zimmertüren mögen eine tadellose Qualität haben, aber in einem Haus von heute sind sie unseren Bauleuten auch als Schnäppchen “zu sehr retro”.

Außerdem ist bei Ausschreibungen – wie die Angebotsanfragen hier heißen – üblich, das Gewünschte in einer kaufmännisch eindeutigen Weise zu formulieren. Das bedeutet, der Architekt ermittelt Massen und Mengen. Er rechnet also z. B. aus, wieviel Kubikmeter Mauerwerk sich ergeben (= Massen) oder wie viele Steckdosen insgesamt zusammenkommen (= Mengen). Das Ergebnis teilt er dann den geeigneten Bietern mit und lädt sie zur Teilnahme an der Ausschreibung ein.

Leistungsphase 7 – die Mitwirkung bei der Vergabe

Hier geht es um die Frage, wer leistet und liefert. Die angefragten Unternehmen haben ihre Angebote abgegeben oder abgesagt – letzteres meist, weil sie zur vorgesehenen Ausführungszeit keine Kapazitäten frei haben. Manche müssen angesichts des herannahenden Abgabeschlusses nochmals angestupst werden. Auch hier zahlt sich ein erfahrener Architekt aus – denn er kennt seine „Pappenheimer“ und weiß, auf wen es sich lohnt, notfalls ein paar Tage zu warten.

Organisation und Herrschaft

In der Praxis wird es so ablaufen, dass Herr Kritzelhuber zwar die Ausschreibung Lena und Jonas vorab noch einmal zu lesen gibt, sie dann jedoch selbstständig versendet. Schließlich ist er der Fachmann, kennt seine Pläne am besten und kann den Bietern auf eventuelle Rückfragen auch besser „in deren Sprache” antworten. Er erhält auch die Angebote, da er diese am qualifiziertesten bewerten kann und so am besten alle Eingänge nachzuhalten sind. Trotz seiner technischen Federführung wird oft nur von einer „Mitwirkung” bei der Vergabe gesprochen. Das hat ganz banale rechtliche Gründe: „Herren” des Verfahrens sind nämlich die Bauleute, und nicht ihr Architekt. Letztlich treffen also Lena und Jonas die Entscheidung, wer den Zuschlag erhält.

Leistungsphase 8 – die Objektüberwachung

Handwerker heißen zwar nicht so, weil sie ihren Kopf bei der Arbeit zuhause lassen, manchmal würde man sich das jedoch wünschen. Denn sie neigen dazu, aus lauter Vertrauen in ihre Erfahrung, zu selten einen prüfenden Blick in die Pläne zu werfen. Daher ist es ratsam, ihnen eine wachsame Führung angedeihen zu lassen. Das erledigen auf einer Baustelle vier Personen, die sich in ihren Rollen ergänzen. Denn wie ich bereits im Beitrag „Von Bauleitern und … Bauleitern” ausgeführt habe, verfolgen diese Personen lediglich ähnliche, aber nicht identische Interessen.

Der Polier

Auf einer Baustelle sind in einigen Phasen Arbeiter mehrerer Gewerke und Berufsbilder gleichzeitig tätig. Dann ist regelmäßig der erfahrenste Maurer oder Zimmerer derjenige, der wie ein Konzertmeister den Ton angibt. Auf ihn schauen die Kollegen, und oft wird er gefragt, wenn sich die anderen bei der Interpretation eines Planes unschlüssig sind. Seinen Namen hat er aus dem Französischen von “Parlier” als Sprecher der Bauarbeitertruppe. Manche Theoretiker verbreiten die Behauptung, die Funktion eines Poliers gäbe es heute nicht mehr. Die haben dann wohl noch nie eine Baustelle gesehen, denn dort wird es auch für Nichteingeweihte unübersehbar: Wenn er “Dienst nach Vorschrift” macht oder gar “den Hammer fallen lässt”, dann tun es auch alle anderen.

Der Architekt

Der planende Architekt – persönlich oder sein Gehilfe – ist der Bauleiter im Auftrag der Baudame und des Bauherrn. Er kontrolliert auf der Baustelle die Einhaltung von Zeitplan und Zeichnungen und entscheidet über Interventionen bei Abweichungen. Er zeichnet für die Bauherrschaft auch die Stundenzettel der Arbeiter ab – insbesondere bei den “Regiestunden”, also wenn sie Zeit darauf verwenden mussten, planabweichende Anschlüsse zu anderen Bauteilen wieder passend zu machen.

Der Bauleiter

Wo ein Auftrag über ein ganzes Paket von Gewerken an ein- und denselben Unternehmer vergeben wird, koordiniert sein Bauleiter die Abläufe der Arbeiten und Anlieferung der benötigten Materialien. Im Zweifel ist er jedoch nicht parteiisch für die Auftraggeber, sondern sorgt im Sinne seines Unternehmers eher für die kostengünstigste Herbeiführung eines oberflächlich mängelfreien Zustandes.

Der Baubegleiter

Zur Vermeidung von Baumängeln, die sich später als Schäden auswirken können, beauftragt man am besten einen Bausachverständigen. In dieser Funktion ruft man ihn beispielsweise hinzu, um die Bodenplatte oder die Qualität eines aufgemauerten Geschosses zu  prüfen, bevor darauf eine Decke aufgelegt wird. Bei komplexen Details kann er den Arbeitern beratend zur Seite stehen. Sein besonderes Augenmerk gilt so etwa den Anschlüssen von Isolierungen und korrekten Einbauten von Fenstern oder dergleichen. Im allgemeinen Bauablauf kann seine Rolle vom Architekten gut übernommen werden. Bei strittigen Entscheidungen über die Abnahmereife einzelner Bauabschnitte kann er jedoch durchaus auch bei einer „echten” (also Architekt-) Bauleitung ein wertvoller Begutachter sein.

Im fünften und letzten Teil dieser Serie fasse ich noch einmal alles Bisherige zusammen und erläutere, weshalb ich die acht Phasen in drei Modulen gebündelt habe und auch den Auftrag an die Architektin oder den Architekten in dieser Weise zu „portionieren” empfehle.

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