Kann ich die Steine meines Abbruchhauses wiederverwenden?

alte Steine wiederverwenden

Bild: Dirk Maus / pixelio

Wer ein Haus abreißen muss, dem mag es um die schönen, alten Ziegelsteine leidtun. Kann man sie nicht für ein neues Haus wiederverwenden? Und wenn ja, was gilt es dabei zu beachten? Hier kommt die Antwort, nicht nur für Karl, aber auf seine Anregung hin:

Die Vorgeschichte eines Lesers

Auf dem Gelände von @karl.jonas steht ein Gebäude (vermutlich um 1900 erbaut), das nicht mehr benötigt wird, sich aber auch nicht für einen Umbau anbietet. Seinen Ziegeln würde Karl hingegen gerne ein “zweites Leben” schenken und für sein neues Haus verwenden. Geht das so einfach? In meinem Beitrag “Klinker: Riemchen oder Verblender?” vermisste er Erhellendes dazu. Bitteschön, Karl, gerne stille ich Deinen Wissensdurst auch hierzu:

Das Problem mit den Steinformaten

Mauersteine aus dieser Zeit haben noch das alte “Reichsformat”. Verglichen mit dem ähnlichsten der aktuellen Mauerstein-Kleinformate namens “NF” (= Normalformat) sind sie einen halben Zentimeter zu breit und einen ganzen Zentimeter zu lang, so dass man alte und neue Formate nicht in derselben Mauer verarbeiten kann. Außerdem setzt man heute Mauersteine in Kleinformaten praktisch nur noch für Sonderzwecke ein, anstatt wie früher ganze Wände aus ihnen aufzumauern.

Das Qualitätsproblem

Aufgrund ihrer Langlebigkeit können die alten Steine unbedenklich noch in mindestens einem weiteren Häuserleben eingesetzt werden. Grundsätzlich einsatztauglich sind sie noch: die technische Güte ist – sofern ihre Oberfläche noch nicht porös geworden ist – noch voll gegeben, und Verfärbungen werden ja meist ausdrücklich als dekorativ begrüßt. Allerdings wird man über ihre “Druckfestigkeit” wenig sichere Aussagen finden. Diesen Wert allerdings benötigt der Statiker für seine Berechnungen. Einen gewöhnlichen Türsturz einer nichttragenden Innenwand wird man ihnen ohne Bedenken auflasten können, und auch die Oberschränke der Küche werden sie gut halten. Für einen Mauerpfosten mit höherer Druckfestigkeit bei einem Eckfenster oder dergleichen wird man sie jedoch nicht einsetzen mögen. Für Außenwände wird man sie heute ebenfalls nicht mehr verwenden, da sie Wärme zu gut leiten und daher den modernen Anforderungen an die Wärmedämmung nicht gerecht werden. Zudem wären Außenwände aus diesen Steinen auch zeitraubend herzustellen und damit zu lohnintensiv. Na dann vielleicht dekorative Vormauerschalen daraus machen? Auch das empfiehlt sich nicht: Zum einen lassen sich gewöhnliche Mauerziegel weit mehr als ihre “Klinker-Kollegen” vom Regen durchnässen, und zum anderen lassen sie sich nicht – wie eben erläutert – mit heutigen Steinen gemeinsam vermauern.

Das dekorative Element

Dankbare Einsatzszenarien für alte Ziegel sind im Bereich des Mauerns nichttragende Wände, insbesondere wo diese einen dekorativen, flächigen Akzent setzen, wenn sie unverputzt bleiben. Raumtrennwände zur Unterteilung der Bereiche Wohnen/Essen/Kochen oder Schlafen/Ankleide sind Beispiele dafür. Auch den Frühstückstresen in der Küche oder die Sockel unter Waschmaschine und Trockner kann man gut aus ihnen mauern. Sparsam verwendet erfüllen sie den dekorativen Zweck am besten. Für die “stinknormale” und beidseitig verputzte Innenwand eignen sich dagegen die heutigen Großformate besser, da sie rationeller zu verarbeiten sind. Als Pflasterung für Einfahrten, Carportböden oder Gartenwege kann man die alten Mauersteine ebenfalls gut verwenden. Hier können sie auch gerne und unproblematisch mit Klinker-Verblendern gemischt werden. Nicht zuletzt sind sie auch für Pfosten von Zäunen oder Pergolen – dann allerdings sortenrein statt gemischt – geeignet.

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