Wann ist es Zeit, ans „Altersbauen“ zu denken?

Altersbauen

Bild: 11ant / Baulotse Hoffmann

Der Beitrag „Irrwege der vorausschauenden Hausplanung“ schloss mit dem Hinweis auf eine externe Fundstelle mit weiteren Informationen zum altersgerechten Bauen. Damit Sie nun nicht den Vorhang zu und eine entscheidende Frage offen sehen, geht es heute um die Frage der rechten Zeit, um sich mit seinem Eigenheim fürs Alter zu beschäftigen.

Der qualitative Wandel des Lebensabend-Eigenheimes

Beim Stichwort „altersgerechtes Bauen“ denkt man meist nur an die Ängste, in seinem Eigenheim nicht bis an sein Lebensende bleiben zu können. Die Lebenserwartung steigt, und damit auch die Wahrscheinlichkeit, in Dimensionen beängstigender Gebrechlichkeit vorzustoßen. Aber gleichzeitig nimmt auch die Zahl der fitten „Silver Ager“ zu, die sich noch lange nicht damit begnügen wollen, ihre Tage mit chillen und Rheumakissen-Teleshopping zu verbringen. Die „neuen Alten“ erwarten mehr von ihrem Lebensabend. Die mittleren Fünfziger ihres Lebens schaffen sich heutzutage erneut einen adäquaten Lebensraum, nachdem sie schon einmal in jungen Jahren einen Bautraum umgesetzt hatten. Es geht ihnen also bei weitem nicht mehr nur darum, ein „Umgetopftwerden“ in ein Altersheim zu vermeiden. Sondern sie besetzen den Begriff der „Seniorenresidenz“ neu: weg von der Grundbedürfnis-Verwahranstalt, hin zum Heimathafen für tägliche Aufbrüche zu neuen Ufern. Die Senioren 21 fahren E-Bike statt Rollator.

Veränderte Lebensentwürfe „erfassen“ die Einstellung zur Immobilie

 Anforderungen an die Mobilität tragen ebenso wie der demografische Wandel dazu bei, dass das Eigenheim als vererbbarer „Familienschmuck“ zum Auslaufmodell wird. Wo man mit seinen Kindern in deren Schulzeit wohnte, ist nicht mehr der Ort, an dem man später den Besuch der Enkel erwartet. Für Kinder und Enkel ist das (Groß-)Elternhaus immer seltener ein attraktives Erbobjekt. Der Wunsch nach einem altersgerechten Haus ohne faule Kompromisse wie Treppenlift etc. und das mangelnde Interesse der Erben am gealterten Eigenheim führen dazu, dass dieses heute häufiger „mit warmer Hand“ weitergegeben wird. Und das sogar an Fremde.

Jeder Lebensphase ihr optimales Eigenheim

 Wie bereits im Beitrag „Das Zwischenhaus: ein Sprungbrett“ dargestellt, ist das Eigenheim von heute also zunehmend ein „Lebensabschnittsgefährte“ der Familie. Mit kleinen Kindern ist die höchste Priorität das Streben „raus aus der Miete, hinein ins Eigentum. Mit der Schulpflicht der Kinder gilt es, den Standort des Eigenheimes zwischen den elterlichen Arbeitsorten und den Schulorten der Kinder zu moderieren. Das Zwischenhaus erfüllt den Wunsch nach Eigentum. Um es schneller zu erlangen, macht man Zugeständnisse. Sobald wie möglich folgt ihm das Dauerhaus in der Qualität des eigentlichen Traumhauses. Im Ruhestand folgt das Alters-Traumhaus.

Was bedeutet dieser Wandel für die junge Baufamilie? 

Der vorstehend beschriebene Trend ist bereits seit einigen Jahren erkennbar und hat inzwischen die Geburtsjahrgänge „1960 und jünger“ erreicht. Das bedeutet: Die Mehrheit der um 1995 herum „erstgebärenden“ Baupaare wird sich eher ein neues Haus bauen, als die Familienzeit-Immobilie umzurüsten. Auch diejenigen ihrer Generationsgenoss(inn)en, für die ein Hausbau jetzt der erste wäre, wagen diesen Schritt immer öfter in und nach den „Wechseljahren“. Ein Sprichwort besagt, das erste Haus baue man für einen Feind, das zweite für einen Freund und erst das dritte für sich selbst. Die vorgenannte Generation wird bereits mehrheitlich zweimal bauen, und dabei bleibt es nicht. Die Geburtsjahrgänge um die Mitte der 1980er Jahre werden nicht selten gleich dreimal in die Situation kommen, ein Eigenheim ins Visier zu nehmen – das Zwischenhaus nicht mitgerechnet. Diese Immobilien müssen auch für Nachbesitzer attraktiv sein. Das heißt, die Bauleute müssen bei aller Individualität auch bedenken, dass Gestalt und Ausstattung des Eigenheims gut marktgängig sein sollten. Deutschland ist in dieser Hinsicht noch ein ausgesprochenes Entwicklungsland.

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